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Grußwort von Manuela Schwesig

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Deutsche Fürsorgetag, ausgerichtet vom Deutschen Verein, ist alle drei Jahre ein Meilenstein für alle, die mit sozialen Dienstleistungen, mit der Daseinsfürsorge und allgemein mit dem gesellschaftlichen Miteinander in Deutschland zu tun haben. Das Motto des 80. Deutschen Fürsorgetages „Teilhaben – Teil sein“ greift große Fragen, individuelle Anliegen und gesellschaftliche Herausforderungen auf: Haben und Sein, Teil und Ganzes, Ansprüche und Leistungen, aber auch Beteiligung und Engagement als aktive Formen der Mitsprache und Interessenvertretung.

Teil zu sein bedeutet, die eigene Arbeit, das eigene Leben in soziale Prozesse einzubringen. Das tun Fachkräfte jeden Tag in der Kita, in der Pflege, in der Sozialen Arbeit. Das tun aber auch Väter, Mütter und Kinder, die in der Familie für andere Familienangehörige sorgen. Teil sozialer Prozesse sind die vielen freiwillig Engagierten und das soziale Engagement von lokalen und globalen Unternehmen. Zusammenhalt und Solidarität, ja überhaupt Gesellschaft, sind nicht einfach da. Sie entstehen und bleiben bestehen, indem Menschen sich dafür einsetzen. Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, verschieden in Glaube, Herkunft, Alter und Geschlecht. Wenn alle diese Menschen wirklich Teil einer Gesellschaft sind, also teilnehmen und sich beteiligen, ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile. Die Programme des Bundesfamilienministeriums wie Mehrgenerationenhäuser, Allianz für Demenz oder die verschiedenen Freiwilligendienste bieten ebenso Gelegenheit dazu wie die Angebote der Wohlfahrtsverbände. Es ist nicht egal, ob sich jemand engagiert!

Teilhabe wiederum ist mehr als die Ansprüche an Leistungen im Sozialrecht. Beruf und Familie gut vereinbaren zu können, das Recht auf Gleichstellung tatsächlich verwirklicht zu sehen, als Kind gut aufwachsen zu können, als älterer Mensch – oder als Mutter oder Vater mit Kinderwagen – barrierefreie Zugänge zu finden: All das sind Aspekte von Teilhabe, die wichtige Politikbereiche des Bundesfamilienministeriums berühren. Die Rahmenbedingungen für Teilhabe sicherzustellen, ist eine der wesentlichen staatlichen Aufgaben. Aber der Staat allein kann sie nicht gewährleisten. Gerade die Wohlfahrtsverbände sind gefragt und ermöglichen Teilhabe vor Ort. Dieses subsidiäre Modell ist einzigartig in Europa, und die Menschen in unserem Land dürfen sicher sein, dass wir die Vielfalt und die Wahlfreiheit dieses Modells erhalten wollen.

Teilhaben, Teil sein: Allen diesen Fragen und Aspekten zu folgen, denkt man, ist unmöglich – aber es ist genau die Stärke des Deutschen Fürsorgetags, dass er mit einer Vielzahl von Veranstaltungen ganz unterschiedliche Wege durch ein großes Themen- und Diskussionsgebiet eröffnet. Das wird dieses Mal nicht anders sein als bei den letzten Fürsorgetagen. Als Schirmherrin des 80. Deutschen Fürsorgetages wünsche ich Ihnen spannende Veranstaltungen und viele gute Anregungen in Leipzig!

Mit freundlichen Grüßen

Manuela Schwesig

Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend